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Entropie in Organisationen: Wie moderne Räume Wandel ermöglichen
Erlebe, wie selbst kleinste Veränderungen im Raum große Wirkung auf Energie, Zusammenarbeit und Orientierung haben und wie entropie-intelligente Räume die Zukunft der Arbeitswelt prägen.

VON
Elena struber
AM
05 DEzember 2025
Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, dass sich Arbeitsweisen, Erwartungen und Abläufe laufend verändern. Teams müssen sich ständig neu ausrichten, während sie im Tagesgeschäft gleichzeitig Stabilität bewahren. Das führt manchmal zu einer subtilen, aber spürbaren Veränderung im Arbeitsalltag:
Prozesse verlieren an Leichtigkeit, Entscheidungen ziehen sich, Kommunikation wird zäher. Es ist kein bestimmtes Ereignis – eher eine Energie, die sich langsam verschiebt.
Diese Veränderung ist oft schwer greifbar. Sie entsteht leise, ohne klaren Auslöser. Viele Organisationen erleben dieses Phänomen täglich, ohne einen Begriff dafür zu haben. Ein Prinzip aus der Systemtheorie hilft zu verstehen, was in solchen Momenten passiert – und warum es sich so vertraut anfühlt. Denn oft steckt dahinter ein natürlich wirkender Prozess: Entropie.
Im Workshop „Entropie-intelligente Organisationen gestalten“, den wir gemeinsam mit Thomas Fundneider von TheLivingCore durchgeführt haben, haben wir genau darüber gesprochen:
Was ist Entropie? Wie zeigt sie sich im Arbeitsalltag? Und welche Rolle spielen Räume dabei?

Definition: Was bedeutet Entropie eigentlich?
Der Begriff „Entropie“ stammt aus der Physik und beschreibt die natürliche Tendenz eines Systems, mit der Zeit an Ordnung zu verlieren. Ein alltägliches Beispiel: Ein Zimmer wird nicht von allein ordentlicher – im Gegenteil, ohne bewusste Pflege zerfällt Struktur.
Übertragen auf Organisationen bedeutet Entropie nicht Chaos. Es bedeutet, dass Strukturen, Prozesse und Kommunikationswege mit der Zeit Energie verlieren. Das passiert nicht plötzlich, sondern schrittweise:
Orientierung nimmt ab
Entscheidungen dauern länger
Komplexität steigt
Innovationskraft sinkt
Entropie ist damit kein „Fehler“ im System. Sie ist eine natürliche Entwicklung in der sich die Umwelt schneller verändert, als Strukturen mitwachsen.
Entropie im Arbeitskontext
In Organisationen zeigt sich Entropie oft sehr menschlich:
Teams bemühen sich, geben ihr Bestes und trotzdem wird die Arbeit schwerer. Das liegt nicht daran, dass jemand „falsch arbeitet“, sondern daran, dass das System Energie verliert, weil seine Struktur nicht mehr zu den aktuellen Anforderungen passt.
Typische entropische Signale sind:
zu viele oder zu starre Meetingstrukturen
Räume, die nicht zu den unterschiedlichen Arbeitsmodi passen
fehlende Übergangszonen für spontane Zusammenarbeit
Überlastung durch parallele Anforderungen
sinkende Sicherheit
Fokusverlust durch permanente Unterbrechungen
Diese Symptome zeigen: Entropie entsteht dort, wo Strukturen und gelebte Realität sich voneinander entfernen.
Und genau hier beginnen Räume eine zentrale Rolle zu spielen.

Räume als Hebel: Warum Raumgestaltung Energie zurückbringen kann
Räume sind nie neutral. Sie formen Verhalten, Kommunikation, Fokus und sogar Emotionen.
In unserer Arbeit mit Kund:innen erkennen wir immer wieder: Räume können Entropiefaktoren verstärken oder aktiv dabei helfen, besser damit umzugehen. Ein Beispiel aus dem Pflegebereich zeigt das besonders deutlich. Dort treffen hoher körperlicher und psychischer Stress, ständige Unterbrechungen und fehlende Rückzugsorte aufeinander.
Ein entropie-intelligenter Pausenraum wäre hier nicht nur ein „schöner Raum“, sondern ein Regenerationswerkzeug: reizarm, akustisch geschützt, mit klarer Zonierung, beruhigendem Licht und der Möglichkeit, das Nervensystem wirklich zur Ruhe kommen zu lassen. Räume werden so zu stabilisierenden Elementen gegen Entropie, nicht zu einer zusätzlichen Quelle von Stress.
Wenn Räume nicht zu Arbeitsweisen passen, entsteht Reibung. Wenn Räume Resonanz ermöglichen, entsteht Struktur ohne Starrheit – genau jene Qualität, die Organisationen brauchen, um lebendig zu bleiben.
Räume können:
Klarheit und Orientierung schaffen
Fokus und Ruhe ermöglichen
Soziale Nähe stärken
Kreative Prozesse begünstigen
Emergente Zusammenarbeit fördern
Räume sind damit keine Kulisse, sondern ein strategischer Hebel für Lebendigkeit.
Der Workshop: Ein Ansatz für entropie-intelligente Räume
Gemeinsam mit Thomas Fundneider haben wir im Workshop erarbeitet, wie Organisationen entropie-intelligent werden können – nicht durch mehr Regeln, sondern durch Räume, Strukturen und Rituale, die Wandel ermöglichen.
Der Vormittag gliederte sich in drei Schritte:
1. Entropie bewusst wahrnehmen
Die Teilnehmenden analysierten Situationen, in denen Energie verloren geht – sei es in Meetings, im Alltag oder in Schnittstellen zwischen Teams. Mithilfe der Tension Cards wurden echte Spannungen sichtbar, etwa:
„Our processes get in the way of the work“
„Opinions matter more than data“
„Too much consensus slows us down“
„What is stopping us from doing our best work?“
Besonders häufig tauchte dabei ein Entropiefaktor auf, der oft unterschätzt wird: Lack of Trust.
Ein Mangel an Vertrauen führt dazu, dass Teams sich in Abstimmungen verlieren, Entscheidungen absichern müssen oder Meinungen mehr Gewicht bekommen als Daten. Das verstärkt Entropie nicht, weil Menschen etwas falsch machen, sondern weil das System zu wenig psychologische Sicherheit bietet.
Aus den Gruppenarbeiten entstanden Lösungsansätze: klarere Rollen, transparente Entscheidungslogiken, Nachfragen statt Interpretieren – und Räume, die Offenheit fördern, statt sie zu blockieren.
2. Muster im Raum erkennen
In Kleingruppen ordneten die Teilnehmenden Faktoren, die Entropie verstärken, und jene, die sie reduzieren.
Entropie-Treiber:
Unterbrechungen, Lärm, Stress, unklare Prozesse, zu viel Kommunikation ohne Orientierung.
Entropie-Puffer:
Agenda & Struktur, klare Outcomes, Nachfragen statt Interpretieren, Vertrauensbasis, definierte Rollen (z. B. Geber/Nehmer).
Dadurch wurde sichtbar, wie stark Raum, Kultur und Verhalten ineinandergreifen.
3. Entropie-intelligente Räume gestalten
In der Co-Creation-Phase entwickelten die Gruppen erste Lösungsansätze:
Rituale, die Übergänge klarer machen (z. B. Check-in/Check-out)
Flexible Zonen statt monofunktionaler Räume
Räume, die bewusst zwischen Austausch & Fokus unterscheiden
Prozessvereinfachungen, die Orientierung zurückgeben
Meetingräume, die mehr Klarheit durch Layout & Akustik erzeugen
Der Workshop zeigte deutlich:
Entropie lässt sich nicht allein durch Prozesse lösen – sie braucht Räume, die mitdenken.

Warum das die Zukunft ist
Wir leben in einer Zeit, in der sich die Arbeitswelt schneller verändert, als Unternehmen überhaupt reagieren können. Während Organisationen versuchen, ihre Strukturen zu ordnen, stellt die Welt draußen schon wieder neue Fragen. Technologien entwickeln sich rasant, Arbeitsmodelle wechseln im Halbjahrestakt und gesellschaftliche Erwartungen verändern sich schneller, als bestehende Räume es abbilden können.
Und genau deshalb müssen Räume – und damit auch Organisationen – entropie-intelligent werden. Es geht nicht darum, die Zukunft exakt vorherzusagen. Es geht darum, Strukturen und Räume zu schaffen, die beweglich genug sind, um auf das Unvorhersehbare reagieren zu können.
Fazit: Entropie ist kein Störfaktor – sie ist ein Richtungsweiser
Der Workshop hat deutlich gemacht: Entropie ist nicht das Ende einer Entwicklung, sondern der Anfang einer neuen. Sie zeigt, wo Strukturen nicht mehr passen und wo Organisationen Raum brauchen, um sich weiterzuentwickeln.
Wenn Räume Resonanz erlauben, wenn sie Orientierung geben und gleichzeitig Wandel ermöglichen, entsteht eine Qualität, die moderne Organisationen dringend brauchen: Beweglichkeit.
Wandel braucht Raum. Und Raum braucht Menschen, die ihn bewusst gestalten.



